Sonntag, 25. Februar 2018

Be more heart and less attack


Wenn ich diese Bilder so sehe, dann denke ich an wunderschöne Tage mit meinen Mädels. Kaum zu glauben, dass wir gerade einmal 16 Grad hatten, aber wir spürten den Sommer und die Freiheit in uns. Und das vor allem, weil wir 7 Semester hinter uns gebracht hatten und keinerlei weitere Prüfungen oder Arbeiten bevorstanden. Wir waren nun frei und konnten in den Tag hineinleben, Porto erkunden, ohne Zeitdruck durch Straßen schlendern, gut essen und trinken und uns einfach nur hochheben lassen. 

Dennoch liegt nun etwas in der Luft, denn jetzt muss es ja weitergehen im Leben. Eine Woche Urlaub ist okay, aber dann braucht man wieder einen Plan. Wo machst du den Master? Was machst du denn überhaupt bis dahin? Wie jetzt, du weißt es noch nicht????


Ich antworte meist das gleiche und merke schnell, wie sich die Augenbrauen meines Gegenüber hochziehen. Meine Generation ist so darauf gedrillt, schnell weiter zu machen, immer zu wissen was als nächstes kommt und nimmt sich dabei keine Sekunde, einmal ganz klar nachzudenken, wie es einem eigentlich gerade geht. Ich glaube sogar, dass wir gar nicht mehr wissen, was Gefühle eigentlich für eine Bedeutung haben. Wir dürfen gar nicht viel überlegen, ob wir glücklich oder unglücklich sind, denn wir machen immer einfach weiter. Hier ein Praktikum, da ein Trainee und noch ein Master hinterher. Hauptsache wir gehören zu den Generation Y Maschinen, die sich weiße Marmortische und bunte Vitramöbel in ihre Wohnung stellen, weil man da die besten Flatlays und Happy Sunday Fotos für seinen Instagram-Feed schießen kann (jaja, ich bin selbst ein Opfer dieser Welt). Doch dann sitzen wir da, in unseren tollen renovierten Altbauwohnungen in Hamburg, München und Co. und checken eigentlich noch gar nichts. Man führte eine Beziehung nach der anderen, weil man nämlich aufgibt, sobald es zu emotional und riskant wird, man wechselt die Jobs, wenn man nicht genügend Work-Life-Balance hat, obwohl wir nur gut sind, wenn wir mit Arbeit bombardiert werden und Reisen langweilt uns, weil wir schon in Australien, Thailand und Südafrika waren. Versteht mich nicht falsch, ich finde es toll, wie viele Möglichkeiten uns geboten werden, wie ambitioniert wir sind und das wir tatsächlich alles erreichen können, aber wo soll das alles hinführen? Alles gesehen, alles gemacht und am Ende ist man mit 30 noch nicht mal ansatzweise bereit, eine Familie zu gründen oder sich überhaupt auf eine ernsthafte Beziehung einzulassen. Wo ist die Ernsthaftigkeit geblieben? Wo ist der Wille, sich emotional auf sein eigenes Leben einzulassen und sich ganz auf sich selbst bezogen zu überlegen, was man will? Die Dinge kommen uns nicht zugeflogen, auch wenn es oft so scheint. Wir tun alles dafür, ein Praktikum bei Apple oder Facebook zu bekommen, ziehen dafür ans andere Ende der Welt, weil wir es uns allen beweisen müssen, wie ambitioniert wir sind, aber vergessen dabei, dass es so viele schöne Dinge auf dieser Welt gibt, auf die man sich emotional einlassen muss, um sie zu erfahren. Nicht umsonst, sagen uns die Eltern und Großeltern, wie wichtig es ist, Menschen um sich zu haben, die einen glücklich machen, wie wunderbar es ist, ein Baby auf dem Arm zu halten und wie toll es ist, mit der Familie am Frühstückstisch zu sitzen. Ich will hier niemanden dazu auffordern, seine Karriere zu schmeißen und mit 20 Babies zu machen, aber ich wünsche mir einfach, dass diese Generation (und ja ich gehöre dazu und bin genauso gestört wie alle anderen) lernt Gefühle zu haben, sie zu zeigen und sie für sein eigenes Leben einzusetzen. Denn am Ende ist es das Bauchgefühl, dass entscheidet, ob du die Wohnung nimmst oder nicht. Am Ende ist es das erste Gefühl, dass darüber entscheidet, ob es weitere Küsse geben wird. Am Ende ist es das Gefühl, dass dir sagt, dass du deinen Job gut machst. Und Am Ende sagt dir dein Gefühl, ob du"Ja" sagst, wenn er vor dir steht. Also sollten wir in uns gehen und mal abchecken, was wir eigentlich fühlen, denn oft sind das die geilsten Entscheidungen. 

Wir können stolz sein, denn wir haben unser Studium zu Ende gebracht, aber genau deswegen ist es doch an der Zeit, sich zu überlegen was fehlt, um seinem eigenen individuellen Glück näher zu kommen. Ich wünsche mir sehr, dass uns die Praktika und Master glücklich machen und uns beruflich sehr weit bringen. Ich wünsche mir sehr, dass wir alle genug verdienen, um ohne schlechtes Gewissen 3 Wochen in Südafrika abhängen zu können. Aber ich wünsche mir auch, dass ich in 20 Jahren mit meiner eigenen kleinen Familie am Frühstückstisch sitze und es nichts wichtigeres gibt, als diesen einen Moment.

Ich verallgemeinere das hier gerade extrem, stecke uns ganz bewusst in eine Schublade und weiß natürlich, dass es einige Ausnahmen gibt. Und ich hoffe, dass ich irgendwann eine davon bin.

Eure Genny
xx










Jacke: Tigha, Pullover: Zara, Brille: Rayban, Schuhe: Pomme d'or (Want Shoes Cologne)

1 Kommentar:

stella hat gesagt…

Das hast du so unglaublich schön geschrieben und all deine Worte sind (leider) so wahr. Immer weiter, höher, schneller! Aber wo sind die Träume geblieben, die vielleicht nicht immer so nahbar sind, wie sie einem vorkommen. Für die man wirklich was machen muss, um sich das zu erfüllen. Träume und Ziele zu haben ist so wichtig! Alles Liebe, Stella 💓

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