Type Keyword and Press Enter to Search
×


Ich wusste das ganze Jahr, ich würde im September nach Paris fahren. Dennoch war ich dann noch nicht soweit, als ich um 16 Uhr in den Zug steigen musste. MUSSTE. So fühlte es sich an. Paris ist einer der schönsten Städte der Welt und ich war wahrscheinlich der einzige Mensch, der sich nicht ganz wohl bei der Sache fühlte.

Als ich ankam und aus dem Taxi starrte, fand ich alles recht schön und hübsch. Paris ist eben sehr hübsch. Ihr seht, ich bin sehr verhalten in die Stadt der Liebe gezogen und wollte aufgrund von Fernbeziehung und "ach ist in 4 Monaten eh schon wieder vorbei" nicht ganz glauben, dass ich mich jetzt einfinden müsste. Es hat ehrlicherweise zwei Wochen gedauert, bis ich es akzeptiert habe und endlich genießen konnte, in dieser unglaublichen Stadt zu leben. Zu meinem Glück habe ich eine wunderbare Wohnung gefunden, in der ich mich ganz schnell wohlfühlen durfte. Ich wohnte im 17 Arrondissement, einem Arrondissement, in dem kaum ein Tourist lebt. Dort fand ich Ruhe nach einem Tag im Trubel, den Sirenen auf den Straßen und den französischen, lautstarken Diskussionen um mich herum. Nachdem ich bereits etliche Male umgezogen bin, am anderen Ende der Welt lebte, erwartete ich nicht, abends solche Kopfschmerzen zu haben und trotzdem so tief zu schlafen wie noch nie. Ich habe die Kraft des Neuen unterschätzt und merkte schnell, dass ich nicht in Paris war um Urlaub zu machen. Ich musste in französischen Supermärkten einkaufen, einen Code an der Eingangstür eingeben, auf französisch Wasser bestellen und mich in überfüllte Bahnen quetschen. Alles in Allem war das der "härteste" Prozess, den ich bisher durchmachen musste. Hart in dem Sinne, dass ich "Neues" nicht mehr so gut wegsteckte, keine Lust mehr auf meine andauernde Rastlosigkeit hatte und mich nach einem Zuhause sehnte, dass ich doch eigentlich bereits hatte. Das mit der Fernbeziehung lief dann aber erstaunlich gut, es hat uns sogar sehr gut getan und mir wieder einen Blick auf mich selbst gegeben. Nach einer Weile musste ich Google Maps nicht mehr nutzen um die Metro zu verstehen und der Supermarkt-Einkauf dauerte auch nur noch 10 Minuten, da ich mittlerweile verstand, wo ich meine "Lieblingsprodukte" finde.

Ein einziges Problem gab es allerdings: Die Uni. Ich möchte diesen Part relativ kurz lassen, da ich Sachen erleben durfte, die keinen Platz in diesem Post verdient haben. Glücklicherweise konnten wir irgendwann darüber lachen und wir lernten es wertzuschätzen, dass wir in Deutschland eine so gute Ausbildung genießen durften.

Trotz dieser furchtbaren Erfahrung mit dem französischen Schulsystem machte es ganz plötzlich Klick, ganz unbemerkt war es auf einen Schlag da. Ich fühlte mich, ohne es mit einem besonderen Moment verknüpfen zu können, wohl. So wohl wie schon lange nicht mehr. Paris had me. Ich fing an zu genießen, täglich in ein anderes Museum gehen zu können. Zu jeder Uhrzeit ein frisches Croissant zu bekommen, "Pardon" zu hören, wenn man angerempelt wurde, die Höflichkeit und Hilfsbereitschaft von französischen Mitschülern zu erfahren und der Sprache während eines Gesprächs mit dem Taxifahrer (relativ) mächtig zu sein. In kürzester Zeit schaffte es diese Stadt mich in seinen Bann zu ziehen. Diese Architektur, diese Romantik, diese Liebe für Literatur und Statuen, für ihre eigene Sprache und all die kleinen, besonderen Boutiquen und Lebensmittelgeschäfte, die bis ins Detail durchdacht waren. Ich verstand endlich, was "Luxus" und "Service" bedeutete und warum der Stil der Französinnen so unaufgeregt war. Alles ergab plötzlich einen Sinn. Über der Stadt lag ein Schimmer, vergleichbar mit dem "Paris"-Filter in Instagram-Stories. Genauso wie der Filter, machte dieser Glitzerstaub diese Stadt perfekter und reiner. Eine Dozentin meinte einmal zu uns, in Paris funktioniert alles mit ein bisschen "Marmelade". Einfach ein bisschen Glitzer über alles streuen und schon war alles nicht mehr so schlimm. Lieber ein "Pardon" zu viel oder am besten gleich die Sätze so weit ausdehnen, bis eine unendliche Geschichte daraus wird. Es half am Ende nur noch die Akzeptanz, dass Franzosen anders durchs Leben gehen als wir. Entspannt und romantisch, mit ein bisschen Glitzer und Marmelade hier und da. Genießen wurde ein Leichtes und es machte das Leben schöner, so zu leben, wie die Pariser es tun. Wieso hetzen, wenn es doch auch gemütlich geht? Wieso den Kaffee to go trinken, wenn man sich mit einem Buch und einer Zigarette hinsetzen kann? Warum pünktlich sein, wenn alle anderen auch zu spät kommen?

So langsam fingen auch wir an, es zu glauben. Bis zu dem Moment, wo der Streik begann. Leute, ich kann es nicht in Worte fassen, aber dieser Streik hat uns aus der Bahn geworfen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Er hat so an unseren Kräften gezerrt, dass wir dieses Land nicht mehr verstehen konnten. Neben unserer Anwesenheitspflicht in der Uni, wöchentlichen Abgaben und Präsentationen und mentalen Prügeleinheiten sollten wir von nun an laufen. Überall hin. Wenn man das so liest, muss man sicher schmunzeln. Was kann daran so schlimm sein, durch so eine tolle Stadt zu laufen? Der Streik verursachte ein Chaos, dass sich nur noch überhalb der Straßen aufhielt. Wer die Metro in Paris kennt, weiß wie viele Menschen sich täglich unterhalb der Stadt bewegen. nicht nur ein Stockwerk unter der Erde, sondern Etliche. Etliche Gänge und Stationen waren von nun an leer und all diese Menschen, die pendelten, in dieser Stadt lebten und arbeiteten, bewegten sich AUF den Straßen. Alle Fahrräder, Roller und sonstigen Fortbewegungsmittel waren vergriffen, Taxis und Uber kosteten das Doppelte. Man musste einfach laufen. Für mich hieß das morgens um 7 loslaufen, um um 8 in der Uni zu sein. Um 19 Uhr ging es dann zu Fuß wieder nach Hause und es gibt in Paris leider auch Ecken, die man insbesondere Nachts nicht durchqueren sollte. So sahen die letzten zwei Wochen unserer Zeit in Paris aus. Wir waren eben nicht im Urlaub, um entspannt durch die Stadt zu schlendern, sondern um uns nach einem heftigen Tag in der Uni mehrere Kilometer nach Hause zu schleppen, zu schlafen und am nächsten Tag wieder loszulaufen.

Nichtsdestotrotz haben wir versucht das Beste daraus zu machen. Wie ihr wisst, stelle ich Dinge oft überspitzt da, aber ich habe in meinem Leben noch nie so oft den Kopf geschüttelt und die Fassung bewahren müssen, wie in dieser Zeit. Dennoch - und das meine ich auch so - will ich keine Sekunde missen. Es waren so verrückte 4 Monate, die mich so immens bereichert haben. Ich habe mich in eine Stadt verliebt, die ich bis dahin einfach nicht greifen konnte. Ich vermisse es bis heute jede Sekunde. Doch nicht nur Paris als Stadt mit all seinen unendlichen Möglichkeiten, sondern das Gefühl, das es mir gegeben hat. Das stolze, unabhängige Gefühl, ein Teil dieser wunderschönen, aber wirklich wahnsinnigen Stadt zu sein.

Dieser Beitrag soll lediglich zusammenfassen, wie sich diese 4 Monate für mich angefühlt haben. Ein kleines Intro, für alle, die meine Stories nicht verfolgt haben. Habt ihr Lust auf Beiträge über Tipps und Must Do's in Paris? Lasst es mich wissen und ich werde meine Liste mit euch teilen. <3

Eure Genny














Ich mache die Sache hier jetzt sicher schon 10 Jahre, angefangen in der 7. Klasse mit klassischen Tumblr Bildern und "Bloggern" mit gerade mal um die tausend Follower. Damals hatte Chiara Ferragni einen kleinen Blog mit Street Style Bildern und hat nebenbei noch studiert. Heute ist sie die bekannteste, vermeintlich reichste Bloggerin der Welt und kann sich dank 16 Millionen Followern als Unternehmerin und Girlboss mit Häusern in Mailand und L.A. bezeichnen. Damit lebt sie eine neue Form des Promi-Daseins mit Frontrow-Plätzen und Jetset-Life, ist auf allen Cover der Welt zu sehen und macht Werbe-Shoots für die luxuriösesten Marken der Welt. 

Sie hat es eben geschafft. Mit ihr wurde ein neues Berufsfeld geboren, bestehend aus dem Beruf als "Blogger" oder "Influencer" und etlichen Agenturen und Menschen, die sich immer mehr um Social Media-, Content- und Influencer-Marketing bemühen. Ein neues Berufsfeld, das ganz neue Möglichkeiten bietet und gleichzeitig unseren Umgang mit den sozialen Medien verändert. 

Jetzt hört sich das ganze erstmal toll an, denn wir könnten ja jetzt alle mit unserem Instagram-Account loslegen und das ganz große Geld verdienen. Zum Einen stimmt es sogar, denn wenn man richtig viel Mühe, Liebe und Energie investiert, kann man heute wirklich viel erreichen und sich ein schönes Taschengeld dazu verdienen. Doch zum Anderen passiert dann genau das, was sich derzeit mehr und mehr bei Instagram abspielt: Da draußen tummeln sich eine Horde süßer Instagram-Girls, die auf ihrem Kanal eine Art RTL2-Show abziehen. Diese haben zwar auch jede Menge Follower und sicherlich haben sie sich diese auch hart "erarbeitet", aber diese Menschen zeigen sich und ihr Leben in einer Daily Soap vom Aufstehen bis zum Schlafen gehen und unterhalten Menschen auf der anderen Seite des Screens mit alltäglichen Dingen. Es gibt eben nicht nur große, inspirierende Blogger, die wirklich qualitativ hochwertigen Content für Marken produzieren und dabei an Reisen und ihrem Erfolg teilhaben lassen. Nein, diese Art von "Blogger" integrieren Produkte in ihren Tag und werden dafür bezahlt, Gewürze beim Kochen und Cremes beim "Get ready with me" zu zeigen. Ob es nun eine Küchenmaschine, ein Putzmittel oder bloß die Mascara ist, ist mittlerweile sogar egal, denn wir werden durch ihre unfassbare "Nahbarkeit" und ihre (Vorsicht Buzzword) "Authentizität" beeinflusst. Diese Menschen schaffen es, ihren Alltag, ihre Lieblingsprodukte und ihre Lebensweise in unseren Köpfen zu verankern, sodass wir nachhaltig und unterbewusst konsumieren, wie wir es sonst aus der TV-Werbung kennen. Man sollte meinen, wir haben mittlerweile verstanden, wie Werbung funktioniert, aber nein, Instagram ist "echt" und "authentisch", denn hier kauft man ja nur, weil "Sie" davon geschwärmt hat, wie toll ihre Haut nach der Anwendung der Creme war. 

Versteht mich nicht falsch, ich folge auch einigen Mädels auf Instagram, die genau das tun. Ich lasse mich ganz regelmäßig beeinflussen und kaufe Dinge nach, die ich bei meiner "Lieblingsbloggerin" sehe. Damals wollten wir so sein wie Britney Spears, heute wie Xenia Overdose. Und dennoch komme ich immer mehr an den Punkt, an dem ich mir Abstand zu dieser Plattform wünsche. Denn auch wenn ich diese Alltags-Blogger immer mehr versuche zu meiden, holt es mich immer wieder ein und plötzlich ist der Daily Struggle dieser Menschen wieder interessant. So wie man eben doch ab und an RTL2 schaut, gerät man in den "Guten Morgen ihr Lieben"-Wahn und zieht sich in der Bahn die Stories rein. Auf meiner Seite ist es vielleicht ein netter Zeitvertreib sich das alles anzusehen und Menschen und deren Zuhause virtuell zu kennen und vielleicht sogar zu wissen, welche Unterwäsche sie tragen. Aber jede Sekunde seines Lebens preisgeben zu wollen, kann ja irgendwie nicht normal sein. Schöne Dinge zu teilen und sich Feedback einzuholen ja, aber der ständige Drang nach Aufmerksamkeit, Präsenz und Bestätigung - ist das noch gesund?

Ob diese Menschen versuchen ihre Unsicherheit zu kompensieren sei mal dahin gestellt, darüber kann man sicherlich diskutieren und es wird auch nicht bei jedem der Fall sein. Aber viel schlimmer ist die Tatsache, dass bereits Mädchen im Teenager-Alter ein Leben verfolgen, das nicht das Eigene ist. Das Wort "Influencer" bekommt in diesem Zusammenhang eine ganz wichtige Bedeutung, denn innerhalb ihrer Entwicklung werden junge Mädchen von Frauen beeinflusst, die sich falsche Wimpern machen lassen, wöchentlich den Friseur besuchen und ab und an mal Hyaloron spritzen. Auf Instagram ist das Leben eben easy und voller Avocado-Brote, in real life geht man aber in die Schule, in die Uni, zur Arbeit. Da sieht man nicht jeden Tag toll aus, man läuft auch in Jogginghose rum, ist ungeschminkt, hat Pickel und kaputte Haare. Man weint sogar ab und an und ist sicher ganz oft traurig, verletzt und enttäuscht. Aber es gibt auch Momente, echte Momente wo man lacht, herzlich lacht und einfach nur absolut glücklich ist, alleine mit sich oder mit Menschen, Freunden und Familie - ganz ohne Handy in der Hand, ganz ohne Story und "Paris"-Filter.  

Bevor das ganze hier wieder ausartet, möchte ich noch erklären wie ich zu diesem Thema komme und ich wie ich selbst zum Bloggen stehe. Denn irgendwie habe ich auch einen Instagram-Account, schieße vor pinken "instagramable" Türen Bilder und fotografiere mein Avocado-Brot bevor ich es esse. Ich habe ja sogar einen Blog, wo ich der Welt meine Meinung aufdrücke und glaubt mir, ich liebe es vorm Schlafen gehen Bilder zu bearbeiten und mich von anderen Bloggern inspirieren zu lassen. Aber seit ich mich vor ca. zwei Jahren intensiv mit diesem Thema und diesen Menschen auseinander gesetzt habe, durfte ich feststellen, dass ich einfach nicht für diese Welt gemacht bin. Ich freue mich natürlich über jeden Follower mehr und über positives Feedback sowieso, ich werde auch sicherlich nicht damit aufhören, denn es bereitet mir großen Spaß und lässt mich meine kreative Ader ausleben. Ich würde sogar behaupten, dass mich diese Welt fasziniert und ich sehr gespannt bin, wie sich alles entwickeln wird. Ich finde auch, dass man vor einigen wenigen Bloggern den Hut ziehen kann. Viele davon sind kreativ, inspirierend, intelligent und haben sich dieses Leben hart erarbeitet. Aber ich habe mir vorgenommen, mich nicht mehr zu sehr von diesem Alltags-Content beeinflussen zu lassen und mich viel mehr auf meinen eigenen Alltag, meine eigene Meinung und auf die Menschen zu konzentrieren, die einem unbezahlt und ehrlich erzählen, ob die Creme gut ist oder nicht. Deswegen klappe ich jetzt den Laptop zu und wünsche euch ein schönes Wochenende, ganz ohne RTL2!

Eure Genny







Ich sitze gerade in meinem Bett und höre Querbeat, eine Band, die aus dem Nichts kam und mein Herz berührt hat. Mal abgesehen von der mega Musik, erinnert sie mich an 4 ganz besondere und intensive Tage Karneval. Denn seither ist irgendwie alles anders...

Wenn ich einige Monate zurückblicke, muss ich ganz ehrlich sein, war ich nicht gerade im besten emotionalen Zustand. Silvester 2018 stand ich unter Tränen in den Armen meiner Familie und wusste einfach nicht, wohin mit mir. Dementsprechend unsicher startete ich ins neue Jahr und glaubte auch nicht daran, dass sich 2019 etwas ändern würde. Tja, man mag es kaum glauben, aber vier Monate und ein "oh hi" später, bin ich innerlich so stark und unbeschwert, wie schon lange nicht mehr.

Es fällt mir gar nicht so leicht, dass so zu schreiben und auszusprechen. Denn so schön es ist, wenn Jemand Teil deines Lebens wird, so beängstigend ist es auch. Ich sage das jetzt ganz offen und ehrlich, aber ich frage mich, was ich die letzten zwei Jahre getrieben habe. Ich habe so hart an mir gearbeitet und gelernt eine starke, unabhängige Frau zu sein, um nichts an mich rankommen zu lassen. Ich habe zwei Jahre lang "nein" gesagt, ich wollte nichts und niemanden so wirklich in mein Leben lassen und habe das auch erfolgreich geschafft. Zwei Jahre harte Arbeit, hartes Training im Alleine-Sein und im Erschaffen eines Lebens, in dem nur ich alleine eine Rolle spiele. Im tiefsten Inneren wusste ich aber immer, dass ich so nicht bin. Denn ich bin eigentlich die Sorte Mensch, die ihr Leben gerne mit Anderen teilt. Dementsprechend schwierig war das "Alleine-Sein" für mich und wenn man mal ehrlich ist, habe ich mich mit meinem "boah neee Beziehungen sind doch viel zu anstrengend" selbst verarscht. Versteht mich nicht falsch: Ich hatte eine verrückte und schöne Zeit, ich habe super viel erlebt und mich selbst kennengelernt. Und ich möchte die Zeit auch gar nicht missen, denn es war unglaublich wichtig für mich, "für mich" zu sein und herauszufinden, was ich für mich und mein Leben will. Aber machen wir uns nichts vor, es hat eben immer etwas Essentielles gefehlt. 

Jetzt, wo ich Genau das habe, bin ich natürlich super glücklich und verliebt, aber auf der anderen Seite merke ich, wie ich mich step by step emotional abhängig mache. Mir kann keiner erzählen, dass er trotz Beziehung in der Lage ist, seinen Weg so weiterzugehen, wie er es als Single getan hätte. Es klingt erstmal furchtbar, aber der Single-Ego-Trip ist dann auf Eis gelegt. Das heißt nicht, dass man seine Träume aufgeben und sich Zurückstellen soll. Das sollte ohnehin niemals passieren, aber ab dem Moment, wo dieser eine Mensch in dein Leben tritt, denkst du einfach nicht mehr nur an dich selbst. Liebe ist zwar etwas unfassbar Schönes, aber eben auch etwas, dass unsere Schwächen zum Vorschein bringt. Und Schwächen hat eben keiner gerne. Ich schon gar nicht. Denn sich emotional auf Jemanden einzulassen bedeutet, sich fallen zu lassen und zu vertrauen. Es bedeutet, die Kontrolle abzugeben und sich einer unvorhersehbaren Sache hinzugeben, an Etwas zu glauben, das nicht greifbar und nicht sicher ist. 

Soo, jetzt habe ich wieder nur über Ängste und die negativen Aspekte einer neuen Beziehung gesprochen. Aber wisst ihr was? Wenn es dann an meiner Tür klingelt oder mein Handy aufblinkt, ist all das wieder vergessen. Es fällt mir zwar noch schwer, die Kontrolle über meine Gefühle abzugeben, aber dann kommen diese kleinen, besonderen Momente, wo man sich die Person einfach nicht mehr aus seinem Leben wegdenken kann. Neben all den Schwächen und Ängsten, die daraus entstehen, macht es uns eben einfach glücklich. So easy das Single Leben ist, ich habe keine Lust mehr aus Angst vor dem tiefen Fall mit einer Wand vor mir her zu laufen, immer stark und selbstbewusst sein zu müssen und immer "nein" zu sagen, nur weil es mir dann nicht zu Nahe kommen kann. Ich starte dieses Mal den Versuch, das Beste an meiner Beziehung zu sehen, an uns zu glauben, die Zeit zu genießen und mich auf Alles zu freuen, was noch kommt. Wie wärs, macht ihr mit?

Eure Genny





Diese Bilder sind bald genau ein Jahr alt. Mir gefällt die Stimmung und die Leichtigkeit, die die Bilder ausstrahlen, ich sehe jünger und naiver aus und merke wie gleich und doch anders ich heute bin. Mal abgesehen davon, dass ich mich von den langen Haaren verabschiedet habe, ist vieles was ich vor einigen Jahren in diesem Blog geschrieben habe, heute noch genauso präsent und verwirrend wie damals. Dennoch haben sich viele Dinge verändert, sei es die Ernsthaftigkeit der Partner-oder Berufswahl, der Umgang mit den sozialen Medien oder die Selbstfindungs- und Selbstakzeptanz. Ersteres, wisst ihr ja bereits, steht bei mir immer noch in den Sternen und das obwohl ich so nah dran bin wie noch nie.  Zweiteres gehört heute zu meinen Stärken, ist zu meinem Hobby geworden und schließlich zu meinem Beruf. So weit so gut...

Doch insbesondere Letzteres, die Sache mit der Selbstakzeptanz, hat sich in einer verrückten Achterbahnfahrt vorwärts und rückwärts bewegt, obwohl ich heute behaupten kann, dass ich weiter bin als je zuvor. Wenn sich jemand fragt, von was ich da schon wieder schwafle, für mich war es trotz glücklichen Beziehungen, tollen Freunden und Familie immer schwierig in dieser Welt von Perfektion, Sixpacks und makelloser Haut zurecht zu kommen. Ich war jung, unsicher, hatte die hübschesten Freundinnen und der Teufelskreis des ewigen Vergleichens nahm seinen Lauf. Ich habe alles dafür getan, einem gewissen Idealbild zu entsprechen und stand trotz 5kg weniger als heute weinend vorm Spiegel. Heute, viele Jahre später, habe ich (hoffentlich) den größten Beauty-Stress überwunden. Ich vergleiche mich heute nicht mehr mit 1,75m 50kg Girls mit ungeschminktem Beauty Gesicht, ich zähle zum Glück keine Kalorien mehr und gehe nicht mehr nach einem Restaurant-Besuch um 0Uhr ins Mcfit trainieren. 

Ich habe gelernt zu akzeptieren, dass es in Prüfunsgsphasen in meinem Gesicht sprießt, dass ich im Sommer wegen übermäßigem Weinkonsum ein paar Kilos zunehme und ab und an alles andere als eine positive Ausstrahlung versprühe. Heute versuche ich, Imperfektion zu meinem neuen Mantra zu machen, denn kein "normaler" Mensch sieht aus wie ein Victoria Secret Model. So toll sich das nun anhört, "wow, sie ist zufrieden und im Reinen mit sich!", so häufig ertappe ich mich doch dabei, wie ich dann doch Filter benutze, hier und da einen Pickel wegretuschiere (so wie bei diesen Fotos hier) und neben meiner Freundin sitze und mich frage, wie sie es schafft, haufenweise Schokolade in sich hinein zu schaufeln und dabei "so" auszusehen. Wir kennen alle diese Mädels, die einfach nur perfekt zu sein scheinen, doch wenn man sie dann fragt, ob sie sich nicht auch so fühlen, heißt es "mhhh naja aber meine Nase... oder meine Zehen....". Fakt ist, wir meckern, auch wenn es nichts zu meckern gibt. Wir beschäftigen uns so sehr mit jedem cm unseres Körpers, kennen ihn in- und auswendig, so dass wir es schaffen ihn zu verurteilen oder im schlimmsten Fall sogar zu hassen. Doch im Grunde genommen, sollten wir dieses Wissen über unseren Körper nutzen, ihn schätzen und jeden einzigen verdammten cm lieben. Jeden Muttermahl, jede Narbe, jede Delle hat seinen Sinn und Zweck, jeder cm gehört zu uns, genauso wie die Phasen in denen man schlechte Haut hat, zu- und abnimmt und sich einfach ganz furchtbar fühlt. 

Ich habe eine Freundin, mit der ich sehr oft über dieses Thema spreche (wenn du das jetzt liest... haha i love you!). In meinen Augen und sicher auch in den Augen vieler Anderer, ist sie eine der schönsten und tollsten Frauen, die ich kenne. Das Problem ist allerdings: Sie sieht das ganz anders. Sie sieht Dinge, die wären mir im Leben nicht aufgefallen und der fatalste Fehler: Sie vergleicht sich mit Frauen, die einfach ein ganz anderer Typ Frau sind, die vielleicht andere Gene haben und öfter von Männern angesprochen werden. Neben ihrer Schönheit (und das meine ich wirklich so!) ist sie außerdem super intelligent, erfolgreich in ihrem Job und eine unfassbar tolle Freundin. Das alles hilft nichts, wenn man sich selbst nicht wohlfühlt, wenn man immer wieder in den Struggle gerät (ich gerate immer noch regelmäßig in diesen Struggle), wenn man permanent umgeben ist von "angeblicher" Perfektion und ein wichtiger Faktor: von Idioten (damit meine ich Männer ;D). Deswegen enden unsere Diskussionen auch häufig mit einem leckeren Glas Wein und einem Schokokuchen, weil wir irgendwann dasitzen und einfach nur den Kopf schütteln. Über uns selbst, über unsere komplizierten Gedanken und erfreuen uns am Ende des Tages wieder daran, dass der Wein einfach gut schmeckt. 

Warum also über ein paar Kilos meckern, warum den Pickel nicht einfach mal Pickel sein lassen... Wir sind alle so unfassbar einzigartig. So unfassbar schön wie wir sind. Wahrscheinlich stehe ich morgen wieder vorm Spiegel und frage mich, wieso mein A**** schon wieder breiter geworden ist... Ich werde auch wieder meckern, dass ich ungeschminkt aussehe wie eine 12 Jährige... So, what?! Das wird wohl niemals ganz aufhören, doch wichtig ist, sich immer wieder vor Augen zu führen, dass jeder einzigartig und schön ist. Wir, ich, meine Freundin und alle anderen wunderschönen Frauen da draußen, sollten nicht immer zu hart mit uns ins Gericht gehen. Würden wir unseren Körper so lieben wie er ist, würden wir uns selbst nehmen wie wir sind, könnte uns keiner mehr aufhalten. Nicht mal mehr ein Victoria Secret Model. 

Auf diese Erkenntnis bestelle ich mir gleich mal einen Schokokuchen! :*
Schöne Karnevalszeit wünsche ich euch! 







Heute schreibe ich ausnahmsweise mal nicht aus meinem Bett, sondern von einem Co Working Space in Köln, den ich im Übrigen sehr empfehlen kann. Das 25 Hours Hotel ist sowieso schon ein echt cooles Hotel, aber dieser Space hier.... Mega cool für alle, die kein Office haben, "irgendwas mit Medien" machen und mal wieder ein cooles Foto für ihren Instagram-Feed brauchen...

Ich muss selbst schon wieder schmunzeln, wenn ich das so vor mir hertippe, denn ich bin immer die erste, die sich über diese Generation lustig macht und doch bin ich selbst ein Teil davon. Doch liebe und lebe ich die Instagram-Welt, habe irgendwas mit Medien studiert, stehe auf Mamor und Vitra-Möbel und gehöre zum Flat-White-Club. Diese riesengroße wunderschöne Schublade ist mein Zuhause und doch, versuche ich ihr regelmäßig zu entfliehen. In letzter Zeit höre ich vermehrt den "TWENTY SOMETHING" Podcast by Lina Mallon und lese die Bücher von Michael Nast, einem Author, der sich gerne über unsere wunderbare Tinder Generation hermacht. Es ist einfach unglaublich, wie durchschaubar wir sind. Wir, und dazu gehöre ich ja auch, machen uns täglich verrückt mit Gedanken über den perfekten Job, den perfekten Partner, wählen unsere Freunde nach ihren Praktika aus, suchten vorm Schlafen gehen Instagram Stories und bewundern dort Menschen die jeden Morgen ihr Avocado-Brot essen und ihr Geld mit Produkt-Platzierung verdienen. Dabei verlieren wir aus den Augen, was wirklich zählt. Führen wir noch ernsthafte Beziehungen? Damit meine ich nicht nur die Beziehung zu seinem Freund oder seiner Freundin, sondern die zu wahrhaftigen Freunden aus dem Alltag, zu Menschen die man mal eben in einer Bar kennenlernt, zu Menschen die einem im Supermarkt begegnen und zu Menschen, bei denen man im Kiosk sein Paket abholt. Zu Menschen aus dem normalen, bunten Leben mit Jobs, die nichts mit Instagram zu tun haben, zu Menschen mit denen man vielleicht selbst gar nicht viel gemein hat und zu Menschen, von denen man nicht profitieren muss, um mit ihnen befreundet zu sein. 

Dazu eine kleine Geschichte, die mir immer wieder einfällt, wenn ich an das Dating-Verhalten dieser Generation denke. Kurz vor Weihnachten fuhr ich mit dem ICE nach Frankfurt und setzte mich ohne groß darüber nachzudenken auf einen freien Platz. Ich bemerkte, dass am Fenster ein süßer Typ saß, so ungefähr mein Alter, der sich intensiv mit seinem Handy beschäftigte. Da rollte ich schon die Augen, da man sich heute scheinbar nicht mal mehr "Hallo" sagt, wenn man sich neben jemanden setzt und war dann schnell nicht mehr überrascht, als ich sah, wie eifrig nach links und rechts geswiped wurde. Nun lasst mich die Situation nochmal zusammenfassen: Ich setzte mich also neben einen Kerl, der nicht einmal merkte, dass ich mich neben ihn gesetzt hatte und anstatt dass dieser mich einfach aus Höflichkeit begrüßte, um vielleicht zu erkennen, dass seine Traumfrau neben ihm saß, entschied er sich dafür, diese auf Tinder zu suchen. Natürlich konnte ich erkennen, welche Art von Mädchen nach links und welche nach rechts gewischt wurde... Da fiel mir dann tatsächlich nichts mehr ein und ich war plötzlich sehr froh, dass ich mich auf dieser Zugfahrt nicht mit diesem Kerl auseinandersetzen musste. Denn diese Art von Kerl sucht gar nicht seine Traumfrau, sondern Bestätigung. Bestätigung über die große Auswahl an wunderhübschen Mädchen, die man daten kann, aber nicht muss, denn man kann sich ja mal was warmhalten für eventuelle Eventualitäten und so ein bisschen Aufmerksamkeit und Bestätigung hat ja jeder gerne. Aber eigentlich ist man ja auch am liebsten Single, weil dann muss man sich nicht binden, kann sich alles offen halten und muss sich nicht so festlegen. Wäre ja doof, wenn man dann etwas Besseres finden würde und noch schlimmer, wenn man eventuell ein Trennungsgespräch führen müsste, wäre ja sehr unangenehm, denn einer emotionalen Auseinandersetzungen geht man lieber aus dem Weg. Und wenn eine der Tinderellas nicht antworten sollte oder das erste Date nicht der absolute Oberhammer war,  dann kommt eben die nächste dran: Thank you, next.

Ihr merkt, das Aggressionspotential zu dem Thema ist sehr groß und ich habe noch etliche weitere Geschichten, die verdeutlichen, wie verkorkst diese Generation ist. Doch worauf ich mit dieser Zug-Geschichte hinauswollte ist (und da schließe ich mich mit ein), dass wir alle mal wieder  von unserem Handy aufblicken sollten, uns weniger Gedanken über Instagram-Husbands machen und dafür einfach mal mit dem Menschen quatschen sollten, der im Zug neben uns sitzt. Im realen Leben bieten sich eine Millionen Möglichkeiten, richtig coole Menschen kennenzulernen, die viel mehr können, als nach links und rechts zu swipen. Und selbst wenn sich daraus lediglich witzige Begegnungen oder ernsthafte Freundschaften entwickeln, diese Begegnungen sind oft mehr wert als ein weiteres "It's a Match!".

Vielleicht matched es ja plötzlich im Supermarkt in der Zwiebel-Abteilung mit jemandem, den man in seinem Instagram-Umfeld gar nicht begegnen würde. Vielleicht tun einem diese Art von Menschen auch mal wieder gut und zeigen einem, worum es wirklich geht. Wir lassen uns beeinflussen von tollen Lebensläufen, großen Logos auf T-Shirts im Wert von 300€ und Reisen nach Capetown oder Tulum, geben uns mit den entsprechenden Menschen ab, um diesen Dingen näher zu kommen, um sie doch wieder fallen zu lassen, wenn man bessere Alternativen gefunden hat. Wir können einfach nicht zufrieden sein, mit dem was wir haben, denn wir finden sicherlich etwas "Besseres". Bessere Matches, bessere Kontakte, bessere Jobs, bessere Instagram-Feeds und vergessen dabei, dass man damit irgendwann alleine ist. 

Have a nice week!
Eure Genny